Samstag, 3. November 2007

Fallstricke bei der Riester Rente

Die Riester Rente wird immer beliebter, da es eine relativ einfache - und staatlich geförderte - Form des Vermögensaufbaus ist.
Dass die staatliche Rente im Lauf der nächsten Jahre und Jahrzehnte immer kleiner werden wird, ist mittlerweile jedem klar.

Wer sich für die Zusatzabsicherung in Form der Riester Rente enscheidet, sollte aber auf einige Dinge unbedingt achten.

In "Der Zeit" vom 20.09.2007 sind die Fallstricke der Riester Rente aufgeführt.
Vor allem der letzte Absatz hat mir zu denken gegeben:


Die Riester-Rente bringt in der Ansparphase zwar attraktive Zulagen – aber das Konzept hat auch einige Tücken. So sollten sich Sparer darüber im Klaren sein, dass maximal 30 Prozent des Riester-Guthabens bei Rentenbeginn sofort ausgezahlt werden dürfen. Der Rest muss in eine Leibrente umgewandelt werden. Wer beispielsweise für die Ablösung von Baudarlehen oder für den Kauf einer Immobilie flüssige Mittel braucht, sollte auf anderen Wegen zusätzliches Vermögen aufbauen.

Wenn der Sparer während der Ansparphase stirbt, dann kann das Guthaben ohne Verluste nur auf den Riester-Vertrag des Ehepartners übertragen werden oder allenfalls noch als Leibrente an kindergeldberechtigte Nachkommen ausgezahlt werden. Eine Übertragung an ältere Kinder führt dazu, dass alle bisher erhaltenen Zulagen wieder zurückgezahlt werden müssen.

Bis heute ist es dem Staat nicht gelungen, die Riester-Rente und die Altersvorsorge mit dem Eigenheim vernünftig zusammenzubringen. Zwar dürfen Häuslebauer bis zu 50.000 Euro aus einem bestehenden Riester-Vertrag entnehmen, wenn der Entnahmebetrag niedriger ist als das Deckungskapital. Doch wer es nicht schafft, bis zum 65. Lebensjahr den entnommenen Betrag wieder in monatlich gleichbleibenden Raten aufzufüllen, bekommt nachträglich sämtliche Zulagen wieder gestrichen. Für Bauherren ist es daher riskant, eine Finanzierung mit Riester-Guthaben zu planen.

In die Zulagenfalle tappen auch diejenigen, die mit dem Eintritt ins Rentenalter den Traum vom Lebensabend im sonnigen Süden realisieren wollen. Wer seinen Hauptwohnsitz ins Ausland verlegt, muss nämlich alle Zulagen und Steuervorteile aus der Einzahlungsphase zurückzahlen. Erfolgt der Umzug noch während der Sparphase, können die Rückzahlungen bis zum Auszahlungsbeginn gestundet werden. Dann jedoch behält der deutsche Fiskus von jeder Auszahlungsrate so lange 15 Prozent ein, bis die ganze einstige staatliche Förderung wieder zurückgezahlt ist.

Wer also seinen Wohnsitz im Rentenalter ins Ausland verlegt, muss alle Zulagen und Steuervorteile der letzten Jahrzehnte zurückzahlen!

Ich finde diesen Punkt wirklich unglaublich. Erst kürzt man die staatliche Rente, lockt dann die Bevölkerung in die Riester Rente und verschweigt dabei (steht natürlich in den AGBs drin), dass alle Zulagen nur behalten werden dürfen, wenn man auch in Deutschland bleibt.


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2 Comments:

  1. egghat said...
    Riesenskandal, da stimme ich zu. Aber der Staat darf sich inDeutschland so viel erlauben, weil so viele Bürger dem Staat vertrauen. Wenn man sich allerdings anschaut, was der Staat in der Altersvorsorge, der Bildung und der Gesundheit für Ergebnisse vorzuweisen hat, frage ich mich immer warum ...

    Aber was ich eigentlich schreiben wollte: Die Auslandsregelung mit der Riesterrente ist höchstwahrscheinlich nicht haltbar, weil sie gegen die freie Arbeitsplatz- und Wohnsitzwahl in der EU verstößt. Zumindest wenn man innerhalb der EU bleibt, ist die Regelung sehr wacklig ...
    Vermögensaufbau Blog said...
    Hallo Egghat,

    ja, das ist wirklich ein Riesenskandal!
    Mir scheint es aber so, als ob dieser Punkt eigentlich niemandem bekannt ist. Ich schätze mal, dass das auch kein Vermittler anspricht.

    Ja, der Staat darf sich bei uns in Deutschland sehr viel erlauben.
    Bis bei uns eine Regierung abgesetzt wird oder das Volk auf die Strasse geht muss schon wirklich viel passieren.

    Ob die Regelung haltbar ist... naja...die Regierung wird sich darüber schon ihre Gedanken gemacht haben.
    Wir würden nun halt 30 oder 40 Jahre ansparen mit der ständigen Ungewissheit, wie groß das Riester-Konto nachher ist.

    In Australien ist das übrigens viel einfacher und besser wie ich kürzlich erfahren habe.
    Es gibt dort ein Konto/Depot für jeden einzelnen. Auf dieses Depot zahlen sowohl Du als auch Dein Arbeitgeber ein.
    In was in diesem Depot investiert wird, entscheidest DU alleine.
    Wer will 100% Festverzinsliche, wer will 100% Aktien.

    Selbstbestimmung mit allen Folgen! Ich finde das wirklich gut.

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