Mittwoch, 12. September 2007

Crashprophet Roland Leuschel

Leuschel ist sich sicher: "Der nächste Crash kommt bestimmt." Nur diesmal werde es noch schlimmer, sagt Leuschel gegenüber boerse.ARD.de.

Dieses Zitat von Roland Leuschel stammt aus dem Juni 2004, als er sein neues Buch „Das Greenspan-Dossier. Seit dem haben sich die Börsen überdurchschnittlich positiv entwickelt. Der DAX legte seit dem Juni 2004 – trotz der Turbulenzen der letzten Wochen – um knapp 100 Prozent, der MDAX um rund 110 Prozent zu.

Wer sich die Crash-Prophezeiungen zu Herzen nahm, entging ein überaus positiver Börsenaufschwung. Manchmal lohnt es sich auch, alte Börsenzeitschriften herauszusuchen und im Rückblick Kommentare und Einschätzungen von Finanz-Fachleuten zu lesen.
Der folgende Text stammt aus der Börsenzeitschrift Börse Online Nr. 40 vom September 1998. Darin schürt Roland Leuschel die Angst vor einer Depression : „Ja, Sie haben richtig gelesen, es winkt die große Depression“.

Wer seinen damaligen Schlussfolgerungen Glauben geschenkt hat, verpasste die besten Börsenjahre.


"Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer wagt immer noch nicht das „D-Wort" in den Mund zu nehmen. Doch die Deflation ist inzwischen leider in vielen Teilen unserer globalen Wirtschaft traurige Wirklichkeit geworden. Andere Zentralbanker, wie zum Beispiel Alan Greenspan, warnen vor einer Deflationsspirale in der Weltwirtschaft. Aber das ist ja für uns nichts Neues. Der amerikanische Zentralbanker ist eben flexibler als sein deutscher Kollege. Immerhin gelang es ihm im Oktober 1987 – er war gerade drei Monate im Amt –, mit einer expansiven Geldpolitik zu verhindern, daß der Crash an den Börsen in eine Wirtschaftskrise ausartete.

Wenn der Bundesbankpräsident bisher nur ein mildes Lächeln für Ökonomen, Journalisten oder Wirtschaftsinstitute übrig hatte, die vor der Gefahr einer Deflation warnten, so müßte er jetzt sogar seine Kollegen schelten. Die Bank of Japan, Zentralbank der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt, begründete ihre Entscheidung Anfang September, den Zinssatz für Tagesgeld von 0,50 Prozent auf 0,25 Prozent zu senken, offiziell mit „dem Willen, die Wirtschaft nicht weiter zu schwächen und zu verhindern, dass sie in eine Spirale der Deflation gerät".

Nun gibt es im Falle von Japan handfeste Gründe, eine Deflationsspirale zu befürchten. Mittlerweile haben nicht nur Börsen- und Immobilienwerte zwischen 60 und 80 Prozent verloren, sondern die Wirtschaft befindet sich in einer Rezession. Im dritten Quartal 1998 fiel das Bruttosozialprodukt um 3,3 Prozent.

Aber es kann noch schlimmer kommen. Der Chefvolkswirt der HSBC Bankengruppe, Roger Bootle, der 1997 das bemerkenswerte Buch „Der Tod der Inflation" geschrieben und im Juli dieses Jahres eine große Studie „Die drohende Deflation" verfaßt hat, warnte Ende August eindringlich vor einer globalen Depression im Stile der dreißiger Jahre: „Dies ist die gefährlichste Weltkrise seit dem Ölschock der siebziger Jahre." Am meisten ist Bootle über „die Möglichkeit eines scharfen Konjunktureinbruchs in den Vereinigten Staaten" beunruhigt.

Ja, Sie haben richtig gelesen, es winkt die große „Depression". Auf einem BÖRSE ONLINE-Seminar 1996 in München verurteilte Altmeister Andre Kostolany Leute, die vor der großen Depression warnten, als „kriminell" und bezeichnete Verhältnisse wie in den dreißiger Jahren heute als „undenkbar". Nun, wer die Bilder in Rußland oder Indonesien gesehen hat, wird da anderer Meinung sein. Und dabei hat der internationale Währungsfonds weit mehr als 100 Milliarden Dollar in diese Länder gepumpt.

Wir müssen jetzt bescheiden werden und unsere Gewinnerwartungen reduzieren. Leben, um mit Erich Kästner zu sprechen, ist eben lebensgefährlich. Das muß auch der Bundesbankpräsident gedacht haben, als er Mitte September eine Zinssenkung in Deutschland beziehungsweise eine konzertierte Aktion zur Ankurbelung des Wachstums in der Weltwirtschaft ausschloß. Ich erinnere nur an den Oktober 1987, als der damalige Bundesbankpräsident Schlesinger noch die „Inflation unter jedem Kieselstein" vermutete, während sein US-Kollege Greenspan schon längst bereit war, der Welt die notwendige Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Ein amerikanischer Risikofonds verlor allein im August dieses Jahres fast zwei Milliarden Dollar. Trotz zweier Mathematik-Nobelpreisträger als Berater hatte man sich nicht vorstellen können, daß sich die Renditedifferenz zwischen US-Staatsanleihen und Industrieanleihen so gewaltig vergrößern würde. Die Anleger suchten einfach sichere Häfen. Und das sollten sie auch in Zukunft tun."

Quelle: Börse Online, Nr. 40, Ausgabe vom 24.09.1998 bis 01.10.1998, Seite 138.



Erklärungen und Definitionen:

Hier habe ich nocheinmal separat die wichtigster Definitionen zu den oben verwendeten Begriffen zusammengepackt. Wer also gerne bei Wikipedia nochmals ein paar Begriffe nachlesen möchte, ist hier genau richtig:

Börse Online, Roland Leuschel, Greenspan, Crash


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2 Comments:

  1. Thomas said...
    test
    M.K. said...
    Liebe Bloggemeinde,

    es ist gut, dass es Menschen wie Roland Leuschel gibt, die uns immer wieder wachrütteln.
    Dagegen ist bedauerlich, dass durch Experten wie ihn die Gefahr besteht, den gesunden Optimismus zu verlieren.

    Es ist ratsam die Risiken zu erkennen, gleichzeitig sollten aber auch die Chancen im Blick bleiben.

    Nur eine auf Erfahrung und Überlegung basierende Abwägung der widerstreitenden Faktoren macht eine sinnvolle Investitionsentscheidung möglich.
    Weder Angst noch Gier sind die richtigen Berater bei den Gedankenprozessen, die den Entscheidungen zur Vermögensverteilung vorausgehen.
    Die Fakten und ihre zutreffende Bewertung sind die einzig vernünftige Entscheidungsgrundlagen - auch wenn Emotionen mehr in uns zu bewegen vermögen.

    M.K.

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